Odd eyed und blaue Augen bei unseren solid Briten...

nicht länger nur ein Traum

 

 

 

 

 

 

 

Blauäugige (nichtweiße) Katzen wurden im Abstand von fast 20 Jahren und in fast genau gegenüberliegenden Regionen der Erde entdeckt: den kalifornischen Ojos Azules und dem kasachischen Altay Blue-Eyes. In beiden Fällen zeigte eine Auskreuzung, dass die blauäugigen Gene vom dominanten Typ (im Vergleich zu den normalen gelben, kupfernen oder grünen Augenfarben) waren. In beiden Fällen gibt es mindestens eine winzige weiße Markierung, meistens an der Schwanzspitze, aber es kann sich auch um ein weißes Medaillon, weiße Hinterpfoten oder einen weißen Fleck im Gesicht handeln (Locket) . Aufgrund der unvollständigen Penetration des Gens, reicht die Größe der weißen Markierung von wenigen Haaren, bis zu einem großen weißen Fleck (bei Homozygoten).

Gegenwärtig wird angenommen, dass das Altai-Blue-Eyes-Gen ein Allel des White-Spotting-Gens ist und das es im Vergleich zum üblichen White-Spotting-Gen, welches den bekannten Bicolor-Bereich verursacht, "schwächer" ist.  Allerdings wurde dies durch DNA-Analyse nicht nachgewiesen und kann auch mit dem White-Spotting-Gen interagieren. Gene kodieren für Proteine ​​und jede Veränderung eines Proteins kann andere Auswirkungen haben.

 

ALTAI / ALTAY

Olga Volynska war die erste, die blauäugigen Katzen in einer Fabrik bemerkte, aber ihr Bericht wurde größtenteils ignoriert, da konventionelle Weisheiten besagten, dass blauäugige Farbkatzen nicht existieren könnten. Ein paar Jahre später wurde über die „Ojos Azules“ in einem TICA-Journal berichtet. Lyubov Borisovna Zikeeva aus Ust-Kamenogorsk bemerkte die blauäugigen Katzen auf der Straße und beschloss mehr herauszufinden. Der erste Ust-Kamenogorsk-Altai war eine gewöhnliche, halb langhaarige Hauskatze mit weißen Flecken. Das rechte Auge war blau und das linke Auge gelbgrün. Wenn die Ojos Azules aufgrund der Augenfarbe und der kleinen weißen Markierung als neue Rasse anerkannt werden könnten, dann könnte evtl. auch die Altay anerkannt werden! Das Katzenmagazin "Friend" (Ausgabe Nr. 8/9 August-September 2004) berichtete, dass die erste Besitzerin einer Altai-Katze Vera Sokolova war, die in der Stadt Ust-Kamenogorsk in Kasachstan lebte. 1995 besaß sie eine schwarze Katze namens Fyodor mit blauen Augen und einer weißen Schwanzspitze, einem Phänotyp, der dem in Kalifornien entdeckten amerikanischen Ojos Azules ähnelte.

 

 

Das russische Magazin „Friend“, 2004, mit einer Ausgabe über die Altai Katzen

Lyubov Borisovna Zikeeva begann mit Fjodors Besitzerin zu sprechen und von ihm aus begann die Entwicklung der blauäugigen Rasse Altai, die mehr als zwanzig Jahre gedauert hat und bis heute andauert. Nach vielen erfolglosen Paarungen wurde Frau Zikeeva schließlich mit der Geburt einer blauäugigen Katze namens Ariel belohnt, die als Stammvater aller lebenden Altai-Katzen gilt.

Frühe Altai-Katzen, die von Frau Zikeeva gezüchtet wurden, umfassen Roxy / Roksi (getigerte Katze mit weißen Hinterfüßen und weißer Kehle); Grand Yegan (Tabby, weiße Wangen und Kinn); Ekatarina (getigerte Katze mit weißen Hinterfüßen und weißer Kehle); Nils (Tabby, weiße Pfoten, Schnauze und Kehle). Ein von Lubov Borisovna gezüchteter blauäugiger Altai ist Ellie Darling (schwarzes Smoking-Muster). Bis 2016 arbeiteten noch nicht viele Züchter mit dem Altai. Eine von ihnen ist die erfahrene Züchterin und Tierärztin Elena Lobasova (Murmansk, Russische Föderation), die andere ist Anna Kalinichenko (Zaporozhye, Ukraine). Die Zucht „Wonderful Aquamarine“ (Grin LV und Kalinichenko AO, Ukraine) begann 2016 im Rahmen der WCF-Registrierungsstelle mit der Zucht von Altai-Katzen.

 

Von besonderer Wichtigkeit ist es zu beachten, dass man zwei Altai-Katzen mit blauen Augen oder als Odd eyed nicht miteinander verpaaren darf, da dies zu tauben Katzen mit einem hohen Weißanteil im Fell führen kann. Man sollte also ausschließlich Tiere mit orangen, kupferfarbenen, grünen oder gelben Augen mit diesen besonderen Tieren verpaaren, um gesunde und kräftige Nachkommen zu erhalten. Bei einer solchen Verpaarung werden die Nachkommen ca. zur Hälfte mit blauen Augen/Odd eyed oder mit andersfarbigen Augen geboren.

 

Altai-Katzen sind freundlich und passen sich gut an ihre Umgebung an. Sie sind aktiv, energisch, kontaktfreudig und liebevoll und interessieren sich für alles, was um sie herum vor sich geht. Sie benötigen keinen übermäßigen Platz und vertragen sich gut mit anderen Tieren. Außer der normalen Pflege einer kurzhaarigen Katze ist keine besondere Pflege oder Aufmerksamkeit erforderlich. Sie passen perfekt zu unseren Briten.

 

Spontane Mutationen, blue eyes, in Osteuropa

 

Testverpaarungen mit einer anderen blauäugigen Katze, die im Altai gefunden wurde, zeigten noch ein weiteres dominantes blue-eyes Gen, welches dann von Rano Makarenko untersucht wurde. Züchter die also öffentlich behaupten, die blue eyes Katzen haben alle den selben Ursprung, bzw. es handelt sich immer um das selbe Gen oder aber, dass spontane Mutationen bei Rassekatzen nicht existieren, sind mit Vorsicht zu betrachten. Es ist längst nicht alles erforscht und auch der gewissenhafteste Züchter kann nicht ALLES erklären. Die Blue-eyes Zucht steckt noch in den "Kinderschuhen"! Manch Konkurrenzkampf treibt einige Züchter allerdings zu unsinnigen Aussagen. 

Warum aber tauchten in Russland und der Ukraine "plötzlich" verschiedene blauäugige Gene auf? Höchstwahrscheinlich waren sie schon immer in der Katzenpopulation, aber niemand nahm Notiz davon. Da osteuropäische Länder oft ihre eigenen „Katzenfantasien“ entwickeln und einheimische Katzen zu anerkannten Rassen werden, erhalten diese blauäugigen Katzen jetzt endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Dies bedeutet natürlich auch, dass dieses Phänomen nicht erst vor kurzem und ganz plötzlich aufgetaucht ist, sondern bereits vor vielen Jahren! Erst jetzt rückt dieses Thema mehr und mehr in den Mittelpunkt und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Rano Makarenko fand auch drei blue-eyes Katzen in Aktau, einer Stadt am Kaspischen Meer. Hier gibt es diverse Fotos solcher Tiere aus den Rettungsaktionen, die ich weiter unten zeige.

Elizaveta Lipovenko hatte schon vor Jahren eine spontane Mutation (jaaaa, ich weiß, Mutationen sind IMMER spontan) bei den Britisch- Kurzhaar-Katzen in ihrer Silberlinie, dort werden blue-eyes und odd eyed Briten geboren. Auch Charlie und Fancy haben Vorfahren aus dieser Linie! Es liegen auch weitere Berichte solcher Mutationen in anderen Linien unterschiedlicher Rassen vor. Es ist, wie es immer ist: ist man schwanger, sieht man viele Schwangere… Ähnlich verhält es sich in diesem Fall, es tauchen nach und nach immer mehr Berichte solcher spontanen Mutationen auf. Natürlich gibt es nun immer wieder Züchter, die behaupten, eine solche Mutation wäre bei Rassekatzen gar nicht möglich und es wurde sicherlich still und heimlich eine Altai Katze eingekreuzt. Hier stellt sich mir natürlich die Frage: WARUM sollten solche Mutationen nur bei freilebenden Katzen auftreten? Das wäre ähnlich, als würde man behaupten, nur bestimmte Ethnien können an Krebs erkranken. Ich denke jeder mit etwas Ahnung von Genetik wird mir da zustimmen, zumal es ausreichende Erfahrungsberichte gibt.

Ich selber hatte in einem meiner Würfe mal eine Chimäre ... ein Kater in chocolate-lilac-white. Mutationen können also immer und überall auftreten!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos von Rano Makarenko aus den Rettungsaktionen /Aktau- Kasachstan

 

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   Charlie, Britisch Kurzhaar Kater,, 6 Monate alt - blue-eyes

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

          Fotos und Briten von Elizaveta Lipovenko - Spontane Mutation

 

 

 

 

AMERIKANISCHE OJOS AZULES

 

In den 1980er Jahren wurden in New Mexico Katzen mit leuchtend blauen Augen unter Wildkatzenpopulationen entdeckt. 1984 wurde eine Tortie Katze mit „blue-eyes“ die den Namen „Kornblume“ trägt, mit einem nicht- blauäugige Männchen verpaart. Dieses führte im Anschluss zu Würfen mit blauäugigen Kätzchen und zeigte deutlich, dass das Merkmal dominant war. Die Rasse wurde "Ojos Azules" genannt, was spanisch ist und  "Blue Eyes" bedeutet.

 

Im Gegensatz zu den blauen Augen, die bei weißen Katzen, einigen bicolor und Point Katzen beobachtet wurden, war das Ojos Azules-Gen nicht mit einer bestimmten Fellfarbe oder einem bestimmten Fellmuster verknüpft. Es erzeugte auch einen tieferen Blauton der Augen als bei den Point Katzen. Einige Züchter sahen darin die Möglichkeit, blauäugige Tabbies oder auch solid Katzen mit blue/odd-eyes zu züchten.

Wenn das Ojos Azules-Gen homozygot ist, kommt es zu Schädeldeformitäten, weißem Fell, einem kleinen gekräuselten Schwanz und Totgeburten. Wenn das Gen heterozygot ist, treten diese letalen genetischen Mutationen nicht auf. Dies bedeutet, dass es vermieden werden muss, zwei blauäugige Ojos Azules zu verpaaren, wie ich es vorangehend bereits erwähnt hatte.

Die Rasse wurde 1991 von TICA sowohl für langhaarige als auch für kurzhaarige Katzen zur Registrierung zugelassen. Bis 1992 wurden nur zehn Ojos Azules registriert. Der Rassestandard wurde zuletzt im Jahr 2004 aktualisiert. Nur die Katzen mit tiefblauen Augen werden als Ojos Azules bezeichnet, die anderen Katzen im Zuchtprogramm sind „Varianten“ und wichtig für die Gesundheit der Rasse. In der Norm heißt es: „Die Augenfarbe sollte klares Blau oder Blaugrau sein, nicht Türkis oder Lavendel. Bei  den Odd eyed Tieren kann das zweite Auge Gold, Kupfer oder Grün sein. Eine tiefere Augenfarbe wird bevorzugt.

Leider unterstützen noch immer nicht alle Vereine die Zucht mit dem "neuen", dominanten Gen. Ich finde das sehr Schade, denn ohne solche Experimente, gäbe es heute ( u.A.) die Farbe cinnamon bei den Briten gar nicht. Auch hier wurde damals eine andere Rasse eingekreuzt... im Grunde gäbe es ohne solche Experimente ausschließlich blaue Briten!

Tiara, Britisch Kurzhaar F2 -blue-eyes

Abschließend bleibt zu sagen, dass es sich bei dem Blue-eyes Programm so oder so um eine Experimentalzucht handelt, egal ob die Nachkommen nun F2, F3 etc. sind oder bereits einen reinen Briten-Stammbaum besitzen. Denn anerkannt sind die blauen Augen offiziell NOCH nicht. Fazit: in einer Experimentalzucht gibt es keine "100% korrekt nachweisbaren Stammbäume", da oft "Straßenkatzen mit blauen Augen" irgendwann, irgendwo eingekreuzt wurden und sicher niemand weiß, wer da nun die Vorfahren waren. So etwas geht eben nur bis zu einem gewissen Punkt, das sollte jedem einleuchten.

Ich freue mich sehr auf meine künftige Arbeit mit diesem Gen und hoffe auf lange Sicht  den Typ enorm verbessern zu können und Odd eyed + blue eyes Katzen in unterschiedlichen solid Farben zu züchten. Natürlich liegt mein besonderes Augenmerk dabei immer auf der Gesundheit!

© 2020 by Janina Bürger / Cattery Wabisabis / Fotos by: Wabi Sabi Fotografie